Material - Form - Farbe

30.01.2017 | Veranstaltungen |

Susanne Sorg, Gefäßobjekte, 2016, vorne: Ofengeformtes Glas, Emailzeichnung, Blattmetall, d 20 cm, h 5 cm; hinten: Ofengeformtes Glas, Emailzeichnung, Zwirn, Blattmetall,

Max Knödl, Sierra, 2016, Öl auf Leinwand

Christian Dadlhuber, Modalität III, 2010, Acryl / Leinwand

Ausstellung in der St.-Anna-Kapelle in Passau vom 24. Februar bis zum 26. März 2017

Christian Dadlhuber,  Max Knödl, Margit Michetschläger, Francesco Sacripanti, Susanne Sorg

Die fünf beteiligten Künstler und Künstlerinnen leben und arbeiten in Stadt und Landkreis Passau. Die Maler Dadlhuber, Michetschläger, Knödl und Sacripanti sind seit Jahrzehnten im Kunstverein aktiv. Mit der Glaskünstlerin Susanne Sorg  stellt sich zudem ein neues Mitglied in der Sankt Anna-Kapelle vor.

Christian Dadlhubers Werke zeigen die Spuren intensiver Verarbeitung: Im Laufe des Malprozesses werden immer wieder neue Farben auf die Leinwand aufgebracht, dann durch gezieltes Wegnehmen und Kratzen in der feuchten Oberfläche zum Teil bis auf die untersten Farbschichten wieder entfernt. Nur selten kommt dabei der Pinsel zum Einsatz, Dadlhuber bevorzugt Messer, Spachtel und Schaber. Die breite Werkzeugpalette verdeutlicht, dass der Künstler gerne mit dem Material Farbe experimentiert. Ein Gemälde ist stetiger Veränderung unterworfen, Dadlhuber beendet nach eigenem Bekunden den Prozess, wenn alles Überflüssige entfernt und das Wesentliche herausgearbeitet ist. 

Die Landschaft dient Max Knödl als Tor zur Abstraktion. Knödl entwickelt seine Bildideen aus gesammeltem Bildmaterial. Er zielt jedoch nicht auf eine fotorealistische Umsetzung der Landschaftseindrücke, sondern untersucht die Wirkung von Farbe, Struktur, Licht und Schatten. Knödl achtet nicht auf Details, er entfernt sich beim Malen immer weiter von der eigentlichen Vorlage und setzt die Ölfarbe mit groben Pinseln pastos auf die Leinwand. Aus expressiven Pinselstichen und Farbflecken ergibt sich eine spannungsreiche, rhythmische Komposition, die zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion schwingt.

Margit Michetschläger beschäftigte sich zu Beginn ihrer künstlerischen Laufbahn mit Aquarellmalerei, bis sie durch den Besuch verschiedener Kurse an der Kunstakademie Bad Reichenhall Einblick in neue Techniken gewann. Zur Ausbildung gehörte neben den Grundlagen der Bildgestaltung, Komposition und Farblehre auch das breite Feld der Materialkunde. So arbeitet die Künstlerin heute mit verschiedensten Materialien wie Acryl, Quarzsand, Bitumen, Ölkreide und Tusche auf Leinwand. Daneben entstehen auch Collagen und Monotypien. Gelegentlich vermischt sie unterschiedlichste Techniken in einem einzigen Bild. Michetschläger gestaltet den Bildraum mit Experimentierfreude, sie arbeitet impulsiv, gestisch-abstrakte Formen und ruhige Farbflächen überlagern sich in ihrer Malerei. Hinzu treten kalligrafische Elemente voll Dynamik und Energie.

Gerhard Almbauer und Alfred Darda an der Kunstakademie Bad Reichenhall; seit Jahren stellt sie regelmäßig in der Region aus.


Francesco Sacripanti arbeitet mit der Farbe an sich, er entwickelte über Jahre eine neue malerische Technik, die ohne Bildträger auskommt und die er „Plastificazione“ nennt. In dem aufwendigen Verfahren trägt er die Acrylfarben in vielen einzelnen Schichten auf eine Glasplatte auf, trocknet sie schrittweise, verdichtet sie ohne Risse und Einschlüsse zu einer homogenen Kunststoffmasse. Die Farben behalten dabei ihre ganze Leuchtkraft. Im letzten Arbeitsschritt löst Sacripanti die elastische Kunststoffplatte vom Untergrund und schneidet sie in Quadrate. Die einzelnen Fragmente setzt Sacripanti anschließend auf einer farbig grundierten Leinwand zu einem neuen Gesamtmotiv zusammen. Aus der Reihung bzw. Wiederholung ähnlicher Elemente und der Variation ergibt sich ein Rhythmus. Aus der komplexen Komposition tauchen beim näheren Betrachten einzelne Motive auf, die bei den aktuellen Arbeiten schemenhaft an Landschaften erinnern. Bild im Bild und Sequenzen verweisen zugleich auf die  Informationsflut unserer schnelllebigen Zeit.

Gegensätze wie Verletzlichkeit und Stärke sprechen aus den Arbeiten von Susanne Sorg. Für ihre Objekte verwendet die Künstlerin Glas unterschiedlicher Körnungen, die sie in einem speziellen, an Pâte-de-verre* erinnernden Verfahren, im Sandbett miteinander verschmilzt. *Eine der ältesten Techniken der künstlerischen Glasverarbeitung, bei welcher Glaspasten und Sand (als Hauptbestandteil des Rohstoffes Glas) zum Einsatz kommen. Durch die unterschiedliche Dichte der Glasschichten, verbunden mit den verwendeten Schmelztemperaturen, entstehen organisch anmutende Gefäße mit Öffnungen und Brüchen. Mit der Zeichenfeder, Glasmalerfarben und Tuschen zeichnet Sorg auf die matten, an Papier erinnernden Oberflächen. Draht und Zwirn ergänzen die feinen Linien, ragen aus dem Gefäß heraus, verknüpfen und verweben sich miteinander oder verschließen in Verbindung mit Blattmetallen Brüche und Risse.


Sankt-Anna-Kapelle Passau, Heiliggeistgasse 4           
24. Februar – 26. März 2017
DI-SO 13-18 Uhr