Ihre Wintergeschichte für Schöner Bayerischer Wald

17.12.2019 | Veranstaltungen |

So oder so ähnlich hat Berti Brückner vielleicht ihren Skiurlaub in Erinnerung. (Foto: Karl-Heinz Paulus)

Mein erster Ski-Urlaub im Bayerischen Wald


Es war der erste Winter nach dem Krieg 1945/46. Meine Freundin Gretl und ich wollten zum Skifahren nach Frauenberg. Da alle Brücken in Passau gesprengt waren, auch die Eisenbahn-Brücke, mussten wir zunächst nach Stelzhof gehen, dort ging ein Omnibus weg, der uns nach Tiefenbach brachte. Erst dort konnten wir mit dem Zug weiterfahren, bis Frauenberg.
Im Leeb-Haus bekamen wir ein kleine Zimmern nur mit einem Bett, unbeheizt und nur eine Decke. Frau Ebner, die Wirtin, kochte für alle Gäste immer nur Erbsensuppe, es gab ja nichts. So fuhren wir zu den umliegenden Bauern und bettelten um Eier, Mehl oder Fett. Bezahlen konnten wir schon. Einmal kamen wir bis Haidmühle. Es war ein Sägewerk und die Hausfrau hatte Mitleid mit uns. Sie bat uns an den Tisch, vom Mittag war noch etwas Essen da, Suppe und eine gute Mehlspeise. Wie uns das schmeckte!
Am Leeb-Hang übten wir fleißig das Skifahren. Es gab keinen Lift. Aber es war immer lustig.
Am Freitag mussten wir zurück nach Passau, denn am Abend war Tanzkurs – der erste nach dem Krieg! Wir wollten rechtzeitig zum Bahnhof gehen, aber Frau Ebner meinte, wir sollen im Haus warten, denn wir waren zu früh dran. Als wir aber dann zum Bahnhof kamen, fuhr uns der Zug vor der Nase weg. Was nun? Wir mussten doch zum Tanzkurs!
Also schnallten wir unsere Skier an und fuhren los. Ein Pferdeschlitten, der aus Haidmühle kam, lud uns auf und wir konnten bis Altreichenau mitfahren. Dann ging es auf den Skiern weiter bis Waldkirchen, querfeldein. Dort hatten wir wieder Glück! Wir fanden einen Lastwagen, der nach Passau fuhr. Es war ein „Holzvergaser“. Auf der offenen Ladefläche saßen  wir dann, hingeduckt ans warme Rohr. Bei ziemlicher Kälte! Es hat uns nicht geschadt, wir bekomen weder Husten noch Kathar, man war ja abgehärtet.
Beim Tanzen am Abend, in der Tanzschule Schuler, sah uns niemand die Strapazen an, die wir hinter uns hatten. Und wir kamen sogar noch früher in Passau an als die Zugreisenden!

Berti Brückner, Passau