Ein Wirtshaus mit Geschichte

23.04.2021 | Veranstaltungen |

Seniorchefin „Lanz‘n Mare“ lebte für ihr Wirtshaus. (Foto: Privat)

Am Runden Tisch beim Lanz in Untergriesbach trifft man sich bis heute. (Foto Andreas Windpassinger

Auf der Marmortafel ist die Wirtshausgeschichte zu lesen. Es wird wird noch ergänzt werden müssen, dass seine Ehefrau, d’Lanz‘n Mare“, das Wirtshaus fortgeführt und später an Sohn und Schwiegertochter übergeben hat. (Foto: A. Windpassinger)

Im Mai/Juni 2021 stellt Ihnen Autor Andreas Windpassinger das traditionsreiche Gasthaus Lanz in Untergriesbach vor. Hier finden Sie die Öffnungszeiten sowie drei Wirtshausgeschichten:

 

Öffnungszeiten:

Montag: 10 – 14 Uhr, 17:30 – 12 Uhr
Dienstag: Ruhetag
Mittwoch: 9 – 14 Uhr,17:30 – 12 Uhr
Donnerstag: 10 – 14 Uhr,17:30 – 12 Uhr
Freitag: 10 – 14 Uhr, 17:30 – 12 Uhr
Samstag: 17:30 – 12 Uhr
Sonntag: 9 – 14 Uhr, 17:30 – 12 Uhr

Wirtshausgeschichten vom Lanz

 

Wie der Knecht der Wirt geworden ist:

Der Lanz ist auf dem Untergriesbacher Marktplatz beheimatet und steht unweit gegenüber der Pfarrkirche St. Michael mitten im Ort. Die wenigen Quellen aus der Frühzeit des Hauses nennen den Ratsherrn Georgius Bruckner 1591 als Bauherrn und 1632 als Eigner einer Familie Fritz, die neben der Landwirtschaft auch eine Bäckerei betrieben hat, die sich noch bis in die 1870er Jahre halten sollte. Eine Gastwirtschaft mit Brauerei ist seit 1694 nachgewiesen. Johann Lanz, der neue Eigentümer, veranlasste 1877 eine grundlegende Renovierung und den Einbau von Gästezimmern. Der „Hausname“ blieb dem Gasthaus erhalten, als es Ludwig Hartl 1951 als Knecht vom kinderlosen Johann Lanz geerbt hatte, übernahm und gemeinsam mit seiner Ehefrau, der 2008 verstorbenen „Lanz‘n Mare“, neben seiner Landwirtschaft weiterführte. Eine traditionsreiche Wirtshauskultur, die aktuell Sohn Ludwig aufrechterhält. Trotz der Belastung durch eine Mastbullenzucht hat er das stark renovierungsbedürftige Gebäude in den 1990er Jahren saniert. Giebelständig, zweistöckig und mit vier Fensterachsen passt das Haus mit seinem flachen Satteldach harmonisch in die Straßenzeile. Außen (u. a. blaugrau erneuerter Rauputz) wie innen ist das historische Anwesen ein Schmuckstück. Die mit einem Natursteinportal gefasste Eingangstür führt in einen langen, nach hinten abfallenden Gang, der das ganze Erdgeschoss teilt: in eine kleine vordere Gaststube und den langgestreckten ehemaligen Schützensaal zur Linken und die Folge einachsiger Wirtschaftsräume wie Küche und Toiletten rechts - die ursprüngliche Grundriss-Situation. Die Gaststube mit Wandvertäfelung und umlaufender Sitzbank, den Eichentischen, einer eingebauten Vitrine und einem übermannshohen Regulator sowie der Nebenraum mit den alten vergilbten Schützenscheiben, den man durch eine dreiflügelige Füllungstür betritt, versetzen einen um hundert Jahre zurück. 

(Quelle: Buch „Genuss mit Geschichte, Einkehr in bayerischen Denkmälern - Gasthöfe, Wirtshäuser und Weinstuben) 

 

Wie das Münchener Stadtbier zum Lanz aufs Land kam:

Warum wird bei Lanz im Bayerischen Wald kein heimisches Bier, sondern Paulaner ausgeschenkt? Zumal früher sogar mal eine eigene Brauerei zum Wirtshaus gehörte. 2028 werden es im Übrigen 100 Jahre, dass die große Traditionsbrauerei der Landeshauptstadt das kleine Lanz-Wirtshaus beliefert. Ludwig Hartl kann es sich so erklären, dass man sich mit dem „Stadt-Bier“ abheben wollte, auch wenn es keine Aufzeichnungen darüber gibt. Zum Lanz gehörten auch Fremdenzimmer, die Urlauber und Tagesausflügler sind mit der Bahn gekommen. „Da wollte man mit einem besonderen Bier von München ein Alleinstellungsmerkmal schaffen, sich unter den Schankwirtschaften hervorheben, bewusst kein Bier vom Ort, sondern was Atypisches anbieten.“ Da wollten die Besitzer vielleicht vermitteln, dass man in der Provinz ein gutes Haus sei, weil man edles Münchner Bier ausschenke.

 

 

 

A lustige Wirtshausg‘schicht‘ vom „Boder Karl“:

Der ehemalige selbstständige Friseurmeister Karl Knollmüller (86) ist mit dem Seniorenstammtisch mittwochs gerne bei der Lanz‘n Mare angesessen, und er ist auch ein Meister im Erzählen von lustigen Wirtshausgeschichten. So wird er nie vergessen wie die Apothekerin des Ortes am Nebentisch Platz genommen und sich nach Feierabend ein Glas Rotwein gegönnt hat. Da wollten sich die „Untergriesbacher Manna“ gleich über die Einnahme von Viagra aufklären lassen, aber die Pharmazeutin wollte partout keine Tipps geben, wann die Pillen zu schlucken sind. Beim Tellerabräumen hat sie dann nicht die Apothekerin, sondern die alte Wirtin aufgeklärt. Wie aus der Pistole geschossen sagte die Mare in Richtung des Stammtisches: „Eine Stunde vorm Angriff!“ In der Männerrunde brach helles Gelächter aus. Die Lanz‘n Mare hatte sich kurzerhand als Viagra-Expertin hervorgetan während die Apothekerin nach getaner Arbeit ihre Ruhe haben wollte. Der Mare ist einfach nichts ausgekommen. Sie konnte Gespräche an mehreren Tischen gleichzeitig aufsaugen und sie hat es geliebt, wenn man ihr Geschichten erzählte. Unvergessen bleibt auch der kurze Ratsch der Wirtin mit einem Urlauber-Ehepaar, dass zum Abendessen in die Gaststube wollte. Die „Lanz‘n Mare“ hat ihnen gleich gesagt, dass es bei ihr nichts zum Essen gibt und hat das Pärchen ins zweite Gasthaus am Markt, „zur Post“, hochgeschickt. Als die Wirtshaustür zuging, meinte die alte Wirtin zu ihren Stammtisch-Männern: „A Nudelsuppe hed i scho g`habt, aber de mog i ja nu selber!“