Die Geschichte des Prager Jesulein

26.10.2021 | Veranstaltungen |

Bildunterschrift: Das Prager Jesulein: Die Originalfigur in der Kirche Maria vom Siege. (Foto: Andreas Windpassinger)

Die Geschichte des Prager Jesulein

Der spanische Familienschatz wurde von einem Klosterbruder gefertigt, dem das Jesuskind erschien

 

Die Figur…

Die Karmelitenkirche Maria vom Siege zu Prag hat durch das Prager Jesulein Weltruhm erlangt. Es handelt sich um eines der bekanntesten Gnadenbilder Jesu weltweit und zeigt ein ca. dreijähriges Kind mit Königskrone und Reichsapfel. Seine segnende Geste ist mit der Botschaft verbunden: Gott ist für uns Mensch bzw. Kind geworden. Die 47 Zentimeter große, aus Bienenwachs geformte Figur steht, mit einem kostbaren Königsmantel bekleidet, an einem Seitenaltar. Die Krone ist mit Edelsteinen verziert. Das Jesulein hat eine reichhaltige Garderobe: Zwischen 150 und 200 Kleidchen bekam es im Lauf der Jahrhunderte aus aller Welt geschenkt. Kaiserin Maria Theresia allein stattete es mit 20 Kleidchen und Mäntelchen aus, die alle reich bestickt und teils mit Diamanten besetzt sind. Auch Papst Benedikt XVI besuchte auf eigenen Wunsch im Jahr 2009 das Jesuskind und schenkte ihm Krönungsmantel und eine neue goldene Krone. Fünfmal im Jahr wird die Figur neu eingekleidet.

…und ihre Geschichte

Zwischen Cordoba und Sevilla in Südspanien gab es einst ein berühmtes Kloster. Eines Tages gab eine Stimme Bruder Josef den Auftrag, eine Figur zu fertigen: „Zeige deine Modellierkunst, forme eine Wachsfigur nach meiner Erscheinung.“ Das war die Geburtsstunde des Jesuleins. Nach seinem Tod übergab der Prior des Klosters die gnadenreiche Figur an Fürstin Donna Isabella Manriquez de Lara, die es ihrer Tochter, Fürstin Maria Polixena, schenkte. In der Familie Lobkowitz, in die Maria Polixena einheiratete, wurde das Kind lange Jahre hindurch als wundertätig verehrt. Albert von Lobkowitz hatte es in Böhmen in seiner Obhut. Als Fürst Lobkowitz 1623 starb, verbrachte seine Witwe Maria Polixena von Pernstein-Lobkowitz ihre Tage in Frömmigkeit und Nächstenliebe. Besonders den Karmeliten in Prag war sie sehr verbunden. Die Fürstin schenkte den Patres daher im Jahr 1628 das wertvolle Kleinod, den Familienschatz ihrer spanischen Urahnen: „Hier übergebe ich euch, was mir am teuersten ist. Verehrt dieses Bildnis, und es wird euch an nichts mangeln.“ Am 4. April 1655 wurde das Jesulein vom Weihbischof feierlich gekrönt. Seitdem entstanden zahlreiche Nachbildungen der Gnadenfigur auf der ganzen Welt –auch in der Bauernstube von Elisabeth Kinateder im Hauzenberger Land.